Garten auf dem Dach – gut fürs Haus und fürs Stadtklima

Jedes Jahr wird in Deutschland eine Fläche in der Größe von 100 Fußballfeldern betoniert, asphaltiert oder zugebaut. Aufheizungen und Überschwemmungen sind die Folge, weil besonders in Großstädten zu wenig Grünflächen vorhanden sind. Dadurch rücken ungenutzte Dachflächen stärker in den Fokus. Als Gründach umgebaut, können sie das Mikroklima erheblich verbessern.

Gründach auf Schulgebäuden

Foto: ©
Dachbegrünung der Dreifeld-Sporthalle in Eppendorf

Über 90 Prozent der deutschen Kommunen mit über 100.000 Einwohnern haben Gründächer in ihre Satzung aufgenommen, sei es durch Bauvorschriften, Förderprogramme, Gründachstrategien oder Gründachkataster.

Als eine der ersten deutschen Großstädte startete Hamburg 2015 seine Gründachstrategie, eine Öffentlichkeitskampagne mit zusätzlichem Förderbudget. Erst zum Jahresbeginn 2020 erhöht die Hamburger Umweltbehörde die Zuschuss-Förderung. Wer künftig sein Hausdach bepflanzt, bekommt jetzt doppelt so viel Geld wie bislang. Der Sockelbetrag von 10,00 €/m² kann durch weitere Zuschläge aufgestockt werden, mit bis zu 100.000 Euro pro Dach will sich Hamburg an zukünftig geplanten Gründachprojekten beteiligen.

Die Hamburger Gründachstrategie wird nun sogar vom EGCN (Netzwerk der Umwelthauptstädte Europas) mitgetragen. Das EGCN hat ein Werkzeugkasten bereitgestellt, wie Städte sich nachhaltig, umweltfreundlich und klimaangepasst entwickeln können. Neben anderen wegweisenden Ideen aus anderen europäischen Städten wird die Hamburger Gründachstrategie im Werkzeugkasten für Zukunftssicherheit (Future-proof Toolkit) vorgestellt.

Das europaweite Interesse der Städte kommt nicht von ungefähr:

Regenwasserrückhalt bei Starkregen, die Aufheizung von Großstädten im Sommer sowie die Schadstoffbindung stehen für Großstädte im Fokus.

Laut Deutschem Dachgärtner Verband werden je nach Bauart des Gründachs 50 bis 90 Prozent des Regenwassers zurückgehalten und auf diese Weise die Kanalisation enorm entlastet. Größtenteils verdunstet das Wasser mit kühlendem Effekt auf das innerstädtische Mikroklima. Das Regenwasser gelangt so zurück in seinen natürlichen Kreislauf; der Rest fließt zeitverzögert ab. Bei Nutzung spezieller Pflanzenfamilien beträgt dieser Verdunstungseffekt bei einem 100 Quadratmeter großen, extensiv bepflanzten Gründach 700 bis 1.000 Liter Wasser pro Tag. Zum Vergleich: Ein ausgewachsener Stadtbaum verdunstet ungefähr die Hälfte dieser Wassermenge.

Die Pflanzen des Gründachs binden darüber hinaus pro Quadratmeter Grünfläche bis zu 0,2 Kilogramm Staub und Schadstoffpartikel und werden zur grünen Lunge auf dem Dach.

 

Einem modernen Flachdach kann man viel zutrauen

Hauseigentümer und Bauherren stellen zweifelslos andere Anforderungen an ihr Flachdach. Viele machen sich Sorgen um Undichtigkeiten und Feuchtigkeitsschäden. Gründe sind meist nicht ausreichende bzw. in die Jahre gekommene Dachabdichtungen. Zudem entspricht die Wärmedämmung älterer Gebäude nicht mehr heutigen energetischen Standards. Mögliche Lösungsansätze wie eine Modernisierung zum Umkehrdach oder eine Umrüstung zum Gründach liegen dabei nicht immer offensichtlich auf der Hand.

Björn Marzahn, Sprecher der Hamburger Umweltbehörde: „Es ist leider so, dass viele Gründächer toll finden. Aber nur wenige dann auch wirklich welche bauen. Die meisten fürchten wohl zusätzliche Arbeit, wie mähen und nachsäen oder auch das Einschalten eines Gärtners.“ Dabei gebe es ganz viel Potenzial für Gründächer. Ein dichtes Dach, möglichst energieeffizient und mit zusätzlichem Platzangebot als Kleinbiotop, Garten oder Terrasse.

Vom Flachdach zum begrünten Umkehrdach

Dass Flachdächer heutzutage sogar zum Regenrückhalt genutzt werden können, liegt an den enorm verbesserten Baustoffen, aber auch neuen Technologien wie dem Umkehrdach. Nach dem Prinzip „Erst abdichten, dann dämmen“ wird ein hochwertiges, wasserresistentes Dämmmaterial genutzt, das die Abdichtung schützt und darüber hinaus kostspielige Energieverluste über das Obergeschoss vermeidet.

Gründach

Abb.: BUGG begrüntes Umkehrdach

Wichtig dabei: Nicht jedes Material ist für diesen Zweck geeignet und hält den speziellen Belastungen wie Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen stand. Daher sollten für Umkehrdächer nur geeignete Dämmstoffe wie zum Beispiel XPS verwendet werden. Diese werden zu einer geschlossenen Fläche verlegt und mit einem Vlies als Rieselschutz abgedeckt. Darauf folgen Kies, Granulat für eine Begrünung oder auch Terrassenplatten. Sind die statischen Voraussetzungen gegeben, kann die Dachfläche auch als begehbarer Garten genutzt werden.

Das Prinzip des Umkehrdachs ist gleichermaßen für den Neubau wie für die Sanierung geeignet. Ein begrüntes Dach senkt die Temperaturschwankungen für eine Dachabdichtung ab, so dass Schädigungen enorm verringert werden. Die Lebensdauer des Flachdachs wird dadurch verdoppelt, der Wärmeeintrag im Sommer sowie der Wärmeverlust im Winter um bis zu 19 Prozent reduziert.

Verbesserte Energieeffizienz

Und selbst wenn die Flachdach-Abdichtung nicht defekt ist – nach Angaben des Verbraucherportals Ratgeberzentrale.de kann sich eine Modernisierung schon deshalb lohnen, um durch die Erhöhung des Dämmstandards bei vergleichsweise geringen Investitionskosten die laufenden Heizkosten zu senken.

Nach Prüfung und ggf. Ausbesserung der Abdichtung werden dann wie bei einem normalen Umkehrdach Dämmplatten verlegt, abgedeckt und beispielsweise durch eine abschließende Kiesschicht beschwert. So bleibt der darunter liegende Aufbau aus Dampfsperre und Dämmung bestehen und das Plusdach ist auf diese Weise doppelt gedämmt und energetisch auf aktuellem Standard. Das bedeutet etwa 30 Prozent geringere Heizkosten im Winter und kühlere Räume an heißen Sommertagen.

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