Grüne Häuser erobern Großstädte

Emporis Skyscraper Award und Gründachstudien von Großstädten zeigen den ungebrochenen Trend

oasia-hotel-downtown-sky-garden

oasia-hotel-downtown-sky-garden

Immer mehr Bauherren und Planer setzen auf grüne Dächer, Innenhöfe und Fassaden. Selbst in engen Innenstädten und bei Hochhäusern. Das zeigte erst kürzlich die Bekanntgabe der Preisträger im „Emporis Skyscraper Awards 2016“. Den Internationalen Hochhauswettbewerb gewann ein spektakuläres Wohngebäude mitten in New York City. Das VIA 57 West – über 47 verschiedene einheimische Pflanzenarten begrünen den Innenhof des Wolkenkratzers.

Auf den dritten Platz schaffte es ebenfalls ein Großstadtbiotop. Das Oasia Hotel Downtown in Singapur besticht durch seine leuchtend rote Fassade, die von zahlreichen Kletterpflanzen ganzjährig in ein kleines Biotop verwandelt wird. Vier offene Dachgärten sorgen zusätzlich für ein gutes Raumklima im Gebäude. Auf 27 Etagen warten insgesamt 54 verschiedene Baum- und Pflanzenarten auf die Hotelgäste.

Der Tagesspiegel interviewte die Woha-Architekten aus Singapur im Beitrag „Häuser mit Haaren“. „Um wirklich etwas zu bewegen, müssten wir aber viel mehr begrünte Gebäude haben, oder?
Richard Hassell: Ja, in unseren Städten haben so viele Bauwerke keine Begrünung, dass Neubauten supergrün sein müssen, um die alte Bebauung zu kompensieren. Beim Oasia Downtown Hotel in Singapur haben wir es geschafft, 1100 Prozent Grün im Verhältnis zur Nutzfläche zu verwirklichen. Für einen Quadratmeter Fläche hat das Gebäude also elf Quadratmeter Begrünung, sodass der Neubau zehn andere Bauten ohne Grün ausgleichen kann.“

Den Klimawandel nicht nur an den Wurzeln packen sondern auch am Dach?

Forscher um Luis Pérez-Urrestarazu von der Universität Sevilla haben anhand von Computermodellen untersucht, wie viel Dachfläche der andalusischen Hauptstadt begrünt werden müsste, um die zusätzliche Erwärmung und die sommerlichen Temperaturextreme – hervorgerufen durch den Klimawandel – abzufedern und so den städtischen Hitzeinsel-Effekt auszugleichen. Im Beitrag „Wie bepflanzte Dächer Gebäude kühlen“ berichtet die Süddeutsche Zeitung über die Studie und über Chancen und Grenzen von Gründächern.
Zwar bietet Sevilla dank der zumeist flachen Dächer beste Voraussetzungen für eine Dachbegrünung, trotzdem halten selbst die Forscher eine 40%-Gründach-Quote für illusorisch. Doch sie sind sich sicher: Selbst mit weniger begrünten Dachflächen hätte das positive Effekte, und zwar nicht nur was die Kühlung angeht.

Pérez-Urrestarazu gegenüber der Süddeutschen:
“Grüne Dächer verbessern die Isolation der Gebäude. Dann braucht es weniger Klimaanlagen, die auch zu einer Erhöhung der Außentemperatur beitragen.” Zudem filtere die Vegetation die Luft, binde das Treibhausgas CO₂ und fungiere bei Starkniederschlägen als Wasserpuffer.

Gründächer kühlen im Sommer Gebäude und Stadtklima

Gründächer machen vor allem in Innenstädten durch den Kühlungseffekt Sinn. Die Dachbegrünung und deren Substrataufbau in Kombination mit einer Flachdachdämmung verhindern das Aufheizen im Sommer und Heizwärmeverluste im Winter. Somit muss viel weniger Energie zum Kühlen und Heizen der Sporthalle aufgebracht werden. Eine immense Kosteneinsparung aufgrund der kleineren Dimensionierung der Gebäudetechnik und vor allem durch Einsparung bei den laufenden Energiekosten.

Die Süddeutsche berichtet: „Wie begrünte Dächer wirken, wurde in vielen Städten untersucht. In Singapur etwa senkt die Vegetation die Oberflächentemperatur eines Daches gemäß einer Studie um bis zu 18 Grad. Ähnliche Daten gibt es aus Chicago: Während die Temperatur eines begrünten Daches im Sommer zwischen 33 und 48 Grad schwankte, stieg die eines benachbarten kahlen Daches auf bis zu 76 Grad. Entsprechend lag auch die Lufttemperatur über dem begrünten Dach im Mittel um vier Grad tiefer.“

Wong Mun Summ gegenüber dem Tagesspiegel:
Es gibt jetzt viele Studien, zum Beispiel eine von Treeconomics… eine Firma in Großbritannien, die die wirtschaftlichen Vorteile von Bäumen untersucht hat, um Regierung und Ministerien dabei zu helfen, das Pflanzen von Bäumen zu rechtfertigen. Denn die Leute fragen, warum wir Steuergelder auf Bäume verwenden sollten anstatt auf Bildung. Daher sind viele Unternehmen damit beschäftigt, die Daten zu quantifizieren, um die Vorteile von Bäumen zu zeigen. Sehr interessant. Was sie zeigen, ist, dass die Kosten einem unglaublich hohen Wert gegenüberstehen, den ein Baum während seiner Lebensdauer darstellt.

Bild: HavenCity Universität Hamburg - Zamna A. Rodríguez Castillejos

Bild: HafenCity Universität Hamburg – Zamna A. Rodríguez Castillejos

Auch die HafenCity Universität in Hamburg untersuchte im Sommer den Kühleffekt von Gründächern. Ergebnis der Studie sind nicht nur Berechnungen, die Kühlwirkung wird anhand von Wärmebildaufnahmen direkt sichtbar gemacht. Die Infrarotaufnahmen an einem warmen Sommertag zeigen, dass das Gründach der Behörde für Umwelt und Energie im direkten Vergleich zu den benachbarten, nicht begrünten Flachdächern deutlich kühler ist – und zwar um bis zu 30 Grad. www.hamburg.de/gruendach/6770544/gruendach-waermebild/

Ein Kommentar zu “Grüne Häuser erobern Großstädte

  1. Super cooler Beitrag! Ich finde das Thema “Vertical Gardens” super Interessant, es gibt nur Vorteile, vorallem in Großstädten, das macht die Luft 100x sauberer und sieht viel besser aus. Solarenergie und Vertical Gardens sind die Zukunft!

    LG aus Berlin

    Henrik

Hinterlasse einen Kommentar zu Henrik Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>