Leipzigs erstes mehrgeschossiges Wohnhaus aus Holz

Ein Bauprojekt in der Innenstadt von Leipzig folgt gleich zwei aktuellen Trends im Neubau und zeigt damit, dass auch Wohneigentum in der Stadt ökologisch und bezahlbar sein kann.
Mehrgeschossiges Holz-Wohnhaus in Leipzig
Foto: Claus Morgenstern / KfW-Bildarchiv

Trend 1: Der städtische Geschossbau wurde aus Holz gebaut.

Die Leipziger Stadtverwaltung zeigte sich offen für das Projekt und genehmigte den Neubau mit geplanter Holzfassade abweichend von der Bauordnung unter Beachtung statischer und brandschutztechnischer Vorgabe. So konnte der ortsansässige Architekt Dirk Stenzel zusammen mit der Baugemeinschaft zeigen, „dass es nicht nur ökologisch ist, den Wald in die Stadt zu holen“. Dafür erhielt das Projekt den 3. Preis beim KfW Award Bauen 2019 in der Kategorie Neubau.

Der Baugrund musste drei Meter tief ausgetauscht werden, die massive, von unten gedämmte Bodenplatte und der Treppenturm wurden aus Beton gegossen. Danach übernahmen Zimmerleute die Baustelle und verbauten Stück für Stück die Brettsperrholztafeln für Wände und Decken. Bereits nach fünf Wochen wurde auch die Schalung aus Lärchenholz angeschraubt. Die urbane Fassade ist ein Mix aus Holz und Glas mit ringsum laufenden waagerechten Metallbändern.

Der Clou des Projekts ist zweifellos die grundstücksbedingte runde Ecke. Das Holzhaus ragt hoch an der Straßenecke auf – ein echter Hingucker. Durch die abgerundeten Fenster gelangt viel Licht in die Räume, der Panoramablick nach außen ist inklusive. Gegen zu viele Einblicke und Sonnenstrahlung vor allem im Sommer sind Schiebeläden aus Aluminium vorgesehen, die ebenfalls eine Holzmaserung per Laser erhielten.

 

Trend 2: Mit Baugemeinschaft zum Wohneigentum

Wohneigentum – und das mitten in der Stadt? „Genau dafür sind Bauherrengemeinschaften bestens geeignet, um moderne Wohnwünsche umzusetzen, etwa das barrierearme, umweltfreundliche Wohnen in der Stadt und das Miteinander mehrerer Generationen in einem Komplex. Oft kommen Baugruppen auch an innerstädtische Grundstücke, zu denen private Bauherren sonst keinen Zugang haben. Und nicht zuletzt sind die Baukosten oft ein Argument“ so die Aktion Pro Eigenheim, die zum „Gemeinsamen Bauen in Baugemeinschaften auf ihrer Homepage informiert“. Mehr dazu unter: http://www.aktion-pro-eigenheim.de/haus/hausbau-hauskauf/gemeinsam-bauen-baugemeinschaften-und-baugruppen.php

So auch im Neubauprojekt in Leipzig. Die unteren zwei Etagen bieten Platz für ein großzügiges und helles Ladengeschäft mit großen Schaufenstern. Die vier Wohnungen in den oberen drei Etagen sind ebenfalls sehr offen gestaltet: Bei der Gestaltung der bis zu 195 Quadratmeter großen Wohnungsgrundrisse hatten die Mitglieder der Baugemeinschaft viel Spielraum. Die Innenwände z.B. sind aus Gipskarton und lassen sich bei Bedarf einfach wieder verändern. Maisonette-Wohnungen auf verschiedenen Ebenen, ausgestattet mit Loggien und Dachterrassen, bieten in bester Innenstadtlage auch nutzbaren Außenraum. Auf dem Dach plant die Gemeinschaft zurzeit sogar einen gemeinsamen Dachgarten.

Und die Baukosten?

Trotz hoher Energiestandards und innerstädtischer Lage verrät Architekt Dirk Stenzel: „Besonders teuer war Leipzigs erster großer Holzbau übrigens nicht. Denn die Baukosten von rund 2.150 Euro je Quadratmeter Wohnfläche sind mit denen eines konventionellen Hauses vergleichbar.“

Zwei Wärmepumpen unterstützt von einer Solaranlage speisen Lüftung und Fußbodenheizung und halten die Heizkosten so im Rahmen. Insgesamt erreicht der Neubau den KfW-Standard eines Effizienzhauses 55. Das heißt bis zu 100.000 Euro je Wohnung können im Neubau zinsgünstig über die KfW-Bank finanziert werden. Die Förderbank räumt beim KfW-Effizienzhaus 55 einen Tilgungszuschuss von 5.000 Euro ein, der bei der Rückzahlung erlassen wird. Zusätzliche Förderungen können im KfW-Wohneigentumsprogramm und bei Familiennachwuchs auch über das Baukindergeld genutzt werden. Mitunter gibt es sogar Förderung vom Land oder der Stadt.

Mehr zum Projekt inklusive Kurzfilm zum Projekt und zum Bau unter: https://www.kfw.de/stories/gesellschaft/bauen/kfw-award-2019-bauen-leipzig/

Der Holzfertigbau und der mehrgeschossige Holzbau sind seit einigen Jahren auf dem Vormarsch

Bautechnische und umweltrelevante Eigenschaften machen den nachwachsenden Rohstoff Holz als Baustoff wieder interessant: Nicht nur das geringe Gewicht bei guter Tragfähigkeit, die Aufnahme von Druck und Zugkräften oder eine gute Dämmwirkung sprechen für den Baustoff. Für die Herstellung von Holz wird im Vergleich zu Mauerziegel, Stahl, Glas oder Beton deutlich weniger fossile Energie benötigt. Verschiedene Holzbauweisen stellen sehr flexible Systeme dar; durch den hohen Vorfertigungsgrad lässt sich die Bauzeit deutlich verkürzen.

Nach und nach nehmen Bund und Länder Anpassungen an den gesetzlichen Regelungen und juristischen Hürden für den Bau mehrgeschossiger Stadthäuser vor. Die Höhen-Begrenzung zulässiger Stockwerke im Holzbau steigt kontinuierlich. Momentan ist das höchste Holzhaus Europas mit neun Geschossen knapp 30 Meter hoch und steht in London.

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