Die Baubranche als Konjunkturmotor nach dem Lockdown

Neue Prognos Studie vorgestellt – 125.000 neue Arbeitsplätze im Gebäudesektor möglich

Bild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay

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Der Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle e.V. (BuVEG) und der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) stellten gemeinsam mit dem durchführenden Institut Prognos eine Studie zur „Fachkräftesicherung im Gebäudesektor – Arbeitskräftepotenziale unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie“ vor.

Kann die Baubranche wegfallende Arbeitsplätze auffangen?

Einerseits hatte die Baubranche in den letzten Jahren volle Auftragsbücher. Gleichzeitig litt sie aber stark an Fachkräftemangel, Bauvorhaben lagen brach. Das ist mit einer der Gründe, warum der Wohnungsbau schleppend vorangeht.

In der Studie wird daher von der Frage ausgegangen, ob der nach der Pandemie zu erwartende Wegfall von Arbeitsplätzen durch die Baubranche aufgefangen werden kann? Ein Nullsummenspiel wäre zu schön: dort bricht was weg, da wächst was.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ca. eine halbe Million Arbeitsplätze durch die Pandemie wegbrechen könnten. Ein Viertel davon wiederum könnte im Gebäudesektor aufgefangen werden.

 

Was hat das mit Klimapolitik zu tun?

Der Gebäudesektor ist eine zentrale Stellschraube beim Erreichen der Pariser Klimaziele für die Bundesrepublik. Ein Drittel der gesamten Treibhausemissionen fällt hier an. Deshalb plant die Bundesregierung auch die Erhöhung der Sanierungsquote von 1% auf 3%. Das ist ein ambitioniertes Ziel, dessen Erreichen nicht zuletzt auch wegen des Arbeitskräftemangels in der Baubranche ausgebremst wird. Gleichwohl ist die Nachfrage nach Heizungen auf Basis Erneuerbarer Energien im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. (BEE) resümiert daher, dass aktiver Klimaschutz für die Bevölkerung ein bedeutsames Thema sei. Darüber hinaus verfüge Deutschland über die entsprechenden Technologien. „Die Klimaschutzziele in Deutschland erfordern umfangreiche Investitionen in die Gebäudemodernisierung. Das Potenzial für heimische Wertschöpfung und eine erhebliche beschäftigungspolitische Offensive ist entsprechend groß“, so Peter.

Der energetische Gebäudemarkt ist ein sicherer Zukunftsmarkt

Die Herausforderung ist nun, die freigewordenen Fachkräfte in den Gebäudesektor zu transferieren. Das wird natürlich nicht bei jeder Arbeitskraft funktionieren, die Zahl ein Drittel wurde genannt. Der Gebäudesektor umfasst nicht nur die Maurer- und Malerbranche, sondern auch Elektrotechnik, Logistik, das Ingenieurswesen, Bürokräfte und IT.

Essentiell dabei sind Information und vor allem Qualifikation der Fachkräfte. Da der energetische Gebäudemarkt ein sicherer Zukunftsmarkt ist, so schlussfolgert BuVEG-Geschäftsführer Hinrichs aus der Studie, sei dieser für Arbeitsnehmer attraktiv. BuVEG und BEE wünschen sich, dass die Bundesagentur für Arbeit dieses Potenzial durch Weiterbildungsprogramme und Informationen entfaltet.

Potenziale in der Sanierung und im Neubau nutzen

Hinrichs (BuVEG) sieht im Gebäudesektor den Hebel schlechthin zum Erreichen der Klimaschutzziele. Und zwar sowohl der nationalen Ziele, als auch im europäischen Maßstab im Rahmen des Green Deals der Europäischen Kommission.

Im Grunde eine Win-Win Situation. Die Erhöhung der Anstrengungen zur Steigerung der Sanierungsquote ist Klimaschutz und Arbeitsmarktpolitik zugleich.

Es stellt sich allerdings die Frage, warum der Fokus vorwiegend auf das Sanierungspotential gelegt wird. Schließlich gibt es auch im Neubau eine Menge an Hebeln. So fordert der Bundesverband GebäudeGrün schon seit längerem eine stärkere Begrünung der Dächer, wo immer möglich. Die anfänglichen Erstkosten sollen durch energetische Einsparungen wieder kompensiert werden. Das ist hinreichend in mehreren Studien dargestellt worden. Zudem haben begrünte Gebäude neben einem klimatischen und energetischen auch einen stadtsoziologischen Nutzen, als Beitrag zur Naherholung oder zur Flächennutzung für soziale Einrichtungen wie beispielsweise Kindergärten.

Bund, Länder und Kommunen können folglich gleich in mehrfacher Hinsicht die richtigen und nachhaltigen Weichen stellen, wenn sich ihr finanzielles Engagement (künftig) auch verstärkt auf den Bereich der Neubaubegrünung erstreckt.

 

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