Das Gründach: Grüne Dächer braucht die Welt

gründachWieso nicht das Dach über den Kopf auch für den Garten nutzen?

Besitzer eines Flachdaches können ihre grüne Oase relativ einfach aufs Dach verlegen.

Die hängenden Gärten der Semiramis, eins der sieben Weltwunder. Nach historischen Quellen eine besonders schöne und aufwendige Gartenanlage neben und vor allem auf dem Dach des damaligen Palastes in Babylon. Also ein Dachgarten. Damals noch als Geschenk des Königs an seine Frau gedacht, die sich inmitten der Wüste nach dem Grün und der Natur ihrer Heimat sehnte.

Zwar sind mittlerweile über 2.600 Jahre vergangen, doch geht es uns heute nicht ganz ähnlich? Neben einem Dach über dem Kopf brauchen wir auch Grün. Grün ist wichtig – für Körper und Seele und für die Umwelt. Ob im Park im eigenen Garten oder ganz raus ins Grüne. Der Platz dafür wird immer knapper, vor allem in der Stadt. Die Wege ins Grüne werden immer länger. Wieso nicht das Dach über dem Kopf auch für den Garten nutzen? Immer mehr Dachgärten und Gründächer erobern bereits unsere Dachlandschaften. Nicht nur auf großen Bürogebäuden geben begrünte Dächer der Natur wieder mehr Raum. Raum für uns und als Ersatzlebensräume für Pflanzen und Tiere.

Den Garten aufs Dach verlegen

Besitzer eines Flachdaches können ihre grüne Oase relativ einfach aufs Dach verlegen. Flachdächer sind besonders bei den eingeschossigen Wohnhäusern der 60er und 70er Jahre, auch Bungalow genannt, oder bei späteren Anbauten an schon bestehende Wohnhäuser stark vertreten. Heute lösen leicht geneigte Pultdächer und Flachdächer die sonst üblichen Sattel- und Walmdächer sogar mehr und mehr ab und bieten so ideale Voraussetzungen für eine Begrünung.
Kein Flachdach vorhanden? Gründächer können heute bis zur Dachneigung von 45 Grad realisiert werden. Bei leicht geneigten Dächern bis zu acht Grad kann ein normaler Flachdachaufbau verwendet werden. Bei höherer Dachneigung sind zusätzliche Maßnahmen zur Stabilisierung und Sicherung der Dachaufbauten erforderlich.

Das Gründach ist ein Allrounder

Ein Gründach macht sich durch Wärmedämmung, Schallschutz, Hitzeabschirmung im Sommer, Regenwasserrückhalt und den Schutz der Dachabdichtung schnell wieder bezahlt. „Kein anderes Baukonzept schafft eine vergleichbare Vielfalt an positiven Effekten für Gebäude, Mensch und Umwelt“ fasst der Dachgärtnerverband den Nutzen in nur einem Satz zusammen.

Die deutsche Bundesstiftung für Umwelt (DBU) titulierte kürzlich: „Comeback der grünen Dächer“ Klimaanlage und Wärmepolster inklusive. DBU-Forschungsprojekte etwa zum Wärmedämmverhalten haben die Potenziale begrünter Dächer identifizieret und nachgewiesen. Denn die Wirkung von Gründächern wird bei den praxisrelevanten Nachweisen zum Wärmedämmverhalten in der bauordnungsrechtlichen Bewertung des Wärmeschutzes von Gebäuden momentan noch nicht berücksichtigt.

Im Forschungsprojekt des Zentrums für Umweltbewusstes Bauen e.V. wurden Dachaufbauten von einem Gründach und einem Flachdach mit gleichem Dämmniveau (20 Zentimeter Dämmung) im Stadtgebiet von Kassel Wind und Wetter ausgesetzt und getestet. Das Ergebnis: Bei den untersuchten Grün-Dachaufbauten verringert sich der Wärmeverlust über die Gebäudehülle in einer Heizperiode um bis zu 19 Prozent gegenüber dem üblichen Flachdach. Ebenfalls wurde belegt, dass ein Gründach Überhitzungen von Dachräumen im Sommer vermeidet. Infos zu diesem und weiteren Gründach-Forschungsprojekten finden Sie beim DBU.

Wie kommt es zu so zahlreichen positiven Effekten?

Das liegt vor allem am immer weiter entwickelten Aufbau der Dächer und der Kombination mehrerer Materialien. Da ich mit den hängenden Gärten der Semiramis begonnen habe, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, wie die damalige Konstruktion ausgesehen haben soll. Die Etagenböden bestanden Überlieferungen zu Folge aus mehreren Schichten. Einer unteren Lage aus Rohren mit viel Asphalt, darüber zwei Lagen gebrannte, in Gipsmörtel eingebettete Ziegel und ganz oben dicke Platten aus Blei, die das Eindringen von Feuchtigkeit aus der Humusschicht verhindern sollten.

Das Umkehrdach schafft Vorteile

Heute gibt es weitaus praktikablere, zudem umweltbewusst, schadstofffrei und vor allen bezahlbare Lösungen, die die oben genannten positiven Effekte mitbringen. Dabei bietet sich vor allem ein Flachdachaufbau an, der von der sonst üblichen Reihenfolge der Materialien abweicht.

Das sogenannte Umkehrdach. Hier werden die Dampfsperre, die Dampfausgleichsschicht und die obere Abdichtung eines konventionell ausgeführten Flachdaches in einer Lage zusammengefasst. Die wird direkt unterhalb der Dämmung, zumeist auf einer Betondecke aufgebracht. Der Dämmstoff wird damit auf der Dichtungsschicht platziert. Das hat gleich mehrere Vorteile: Die sonst obere Abdichtung vom Flachdach ist extremen Witterungseinflüssen, UV-Strahlung und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Materialermüdung, Rissbildung und Undichtigkeiten sind die Folge. Beim Umkehrdach wird die Abdichtung bereits durch die aufliegende Dämmung geschützt und ist somit sicher. Die Lebensdauer der Abdichtung kann sich dadurch ohne weiteres verdoppeln.

Die Wärmedämmung schützt und trägt

Da beim Umkehrdach nun der Dämmstoff Wind, Wetter und mechanischer Belastung ausgesetzt ist, muss das eingesetzte Material besonders robust sein. Oft kommt hier extrudierter Polystyrol-Hartschaumstoff (XPS) mit seiner geschlossenen Zellstruktur und guten Dämmwerten zum Einsatz. Der Dämmstoff ist unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, verrottungsfest und besonders druckstabil. Die großformatigen XPS-Dämmplatten werden einfach auf der Abdichtung der Dachfläche verlegt. Die Plattenkanten greifen als Stufen- oder Hakenfalz ineinander. Das verhindert ein Verschieben und Wärmebrücken gleichzeitig.

Ein Umkehrdach lässt sich auf der Baustelle schnell fertigstellen. Die Wärmedämmung kann unabhängig von der Witterung durchgeführt werden. Es braucht keine Rücksichten auf das sonst feuchtigkeitsempfindliche Material oder eingeschlossene Feuchtigkeit genommen zu werden.

Dazu kommt, dass die sonst obere Abdichtung bei einem normalen Flachdach gegen Windsog gesichert werden müsste. Das geschieht oft durch Verdübeln der Abdichtung mit dem Untergrund und führt mitunter zu Schwachstellen und Undichtheiten im Unterbau. Beim unbegrünten Umkehrdach genügt eine Schicht Kies zum Beschweren. Hierzu wird die Wärmedämmung mit einem Vlies als Rieselschutz abgedeckt. Beim Gründach übernehmen das die aufbauenden Substratschichten und Pflanzen selbst.

Wichtig: Bei einem Dachgarten sollte man immer Experten zu Rate ziehen!

Bevor der Garten aufs Dach kommt, muss zunächst eine Baugenehmigung eingeholt werden. Zum einen muss die Statik überprüft werden. Ein Gründach hat wesentlich mehr Gewicht als sonst übliche Dachaufbauten. Zum anderen muss das Dach fachgerecht abgedichtet werden. Eindringendes Wasser verursacht sonst Schäden an der Baukonstruktion, die nicht immer gleich sichtbar werden. Nicht nur die Dachfläche muss dicht sein, sondern auch die Anschlüsse, etwa an der Attika oder an einer Hauswand.

Eine Checkliste kann helfen, die erläutert, was man beim alten oder neuen Flachdach alles berücksichtigen sollte und was bei einem Gründach. Die Liste ist zwar eigentlich für den Planer, hilft allerdings auch Bauherren, alles im Blick zu behalten und mit dem Experten abzustimmen.

Gründach, Dachgarten oder Dachterrasse

Bei der endgültigen Ausführung der Dachterrasse haben die Bauherren dann die volle Freiheit. Wer nicht gleich das ganze Dach begrünen will, kann Terrassenplatten in Splitt oder auf Stelzlagern, alternativ auch Holzplanken verlegen. Eine Dachterrasse mit Pflanzgefäßen inkl. Panoramablick erweitert so den Wohnraum.

Für ein echtes Gründach hängt der weitere Aufbau von der zukünftigen Nutzung ab. Mehrschichtige Systeme zur Dachbegrünung ahmen die natürlichen Bodenfunktionen mit möglichst niedrigem Aufbau und wenig Gewicht nach. Oft sind eine Schutz-, eine Drän- und eine Filterschicht und darüber verschiedene Substrat- und Erdschichten vorhanden. Die Schichten verteilen das Wasser schrittweise, ohne zu stauen und sorgen so für optimale Wuchsbedingungen der Pflanzen.

Welche Dachbegrünung passt zu Ihnen?

Grundsätzlich gibt es zwei Arten, sein Dach zu begrünen. Eine extensive Begrünung oder eine Intensivbegrünung. Die Entscheidung für das eine oder das andere zieht auch Folgen für die Nutzung, den jeweiligen Aufbau und das Gewicht des Daches, die Kosten und den Pflegeaufwand mit sich.

Für eine extensive Begrünung ist eine Aufbaustärke von ca. 6-20 Zentimetern mit einem Gewicht von ca. 60-150 kg/m³ erforderlich. Hier können Moos, Sedum, Trockengräser und Stauden mit wenig Pflegeaufwand wachsen. Eine extensive Begrünung ist allerdings nur bei ungenutzten Dachflächen möglich.

Eine einfache Intensivbegrünung besteht aus Gräsern, Stauden und niedrige Sträuchern. Hierfür sind Aufbaustärken von bis zu 25 Zentimetern mit einem Gewicht von bis zu 200 kg/m³ erforderlich. Sowohl der Pflegeaufwand als auch die Kosten sind im Vergleich zum extensiv begrünten Dach höher, wie beim herkömmlichen Garten müssen diese Pflanzen regelmäßig gegossen und gepflegt werden. Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten sorgen dafür aber auch für echte Gartenfreude. Informationen über die verschiedenen Gründächer und möglichen Bepflanzungen gibt der Dachgärtnerverband.

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3 Kommentare zu “Das Gründach: Grüne Dächer braucht die Welt

  1. Pingback: Spiegel Online Beitrag zu Gründach und anderem Stadtgrün - Umweltbewusst Bauen

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  3. Hallo,
    den Garten auf das Dach verlagern ist eine tolle Idee. Auch mit Neigung macht es immer noch sehr viel Sinn. Na klar könnte man auch Solar Paneele anbauen aber ein Garten oder ein kleines Ökosystem ist eine tolle Idee. Dachbegrünung ist auf jeden fall Sinnvoll.

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