Die Dämmung der Bodenplatte ist nicht nur finanziell ein Gewinn

Gastkommentar Ronny Meyer – Bauingenieur, Journalist und Autor

Die beste Energiebilanz erhält man mit einer rundum energieeffizienten Gebäudehülle. Damit auch wirklich keine Wärme verloren geht, muss man schon bei der Bodenplatte auf eine perfekte Dämmung achten.

Foto: Hartmut910 I pixelio.de

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Beim Entwurf eines Neubaus stehen nahezu immer nur die Wohnräume und die Gesamterscheinung des Hauses im Fokus. Ist ja auch klar: Denn Dach, Fassade, Wohnzimmer, Bad und Küche sind das, was man jeden Tag sieht. Und das Fundament? Das blendet man gerne aus, es gibt ja Wichtigeres. Bestenfalls werden gedanklich die Außenabmessungen und die tragenden Wände des Erdgeschosses einfach nur runter auf die Baugrubensohle gelotet, die Ecken mit Strichen verbunden. Fertig ist der Plan. Im übertragenen Sinne könnte man sagen, es werden bei der Hausplanung die schönsten Kleider ausgesucht, aber die Schuhe haben keine Sohle. Das ist ungünstig: Denn so attraktiv das Haus auch später sein wird – ob mit oder ohne Keller gebaut – es kühlt nach unten aus.

Die ungedämmten Außenflächen eines Kellers können für rund 30 Prozent der Energieverluste verantwortlich sein

Kellerwände (sofern ein Keller gebaut wird) plus Bodenplatte können für rund 30 Prozent der gesamten Energieverluste des Hauses verantwortlich sein – wenn diese Bauteile ungedämmt bleiben. Über eine ungedämmte Bodenplatte geht weitaus mehr Wärme verloren als durch ein gedämmtes Dach. Denken Sie über den letzten Satz nochmal nach! Wer den Fehler macht und die Bodenplatte nicht dämmt, kann zwar mit der Estrichdämmung noch etwas Boden gut machen, aber das Haus hat dann nur ein paar dünne Strümpfe statt dick gefütterter Schuhe.

Hintergrund: Häuser verlieren Wärme durch die Dachfläche hindurch, durch die Fassade, durch die Fenster sowie durch die Kellerwände (wenn ein Keller vorhanden ist) und eben auch über die Bodenplatte.  Der Weg der Wärme ist immer eine Einbahnstraße: vom Warmen zum Kalten. Sobald es zwischen zwei Orten einen Temperaturunterschied gibt, findet ein Wärmeabfluss statt. Auch zwischen einem beheizten Raum und dem in aller Regel kühleren, darunter liegenden Erdreich. Den Wärmefluss sollte man abbremsen und daher beim Neubau der Bodenplatte Beachtung schenken.

Das Argument, eine solche Dämmung sei zu teuer, sie würde sich „nicht rechnen“ ist unbegründet oder medial herbei geschrieben. In Zeiten optimaler Finanzierungsmöglichkeiten mit niedrigen Zinsen und hohen Zuschüssen verursacht eine vernünftige Dämmung unterhalb der Bodenplatte (zum Beispiel aus 20 Zentimeter extrudierten Hartschaumplatten – „XPS-Platten“ – oder 25 Zentimeter Glasschaumschotter) beim Ein- oder Zweifamilienhaus gegenüber der nach Energieeinsparverordnung erforderlichen  Mindestdämmung jährliche Mehrkosten in Höhe von rund 50 Euro bei der Baufinanzierung (Zins und Tilgung). Mit der Bodenplatte spart man aber gegenüber einer ursprünglich geplanten Gründung auf Streifenfundamenten  mehrere hundert Euro jährlich ein. Die Energiekosten, die man mit dieser Dämmung vom ersten Tag an zusätzlich einsparen kann, betragen selbst bei den derzeit gefallenen Energiepreisen deutlich über 50 Euro pro Jahr (Tendenz sicher bald wieder steigend). So gesehen hat sich eine Bodenplattendämmung schon vor dem Einzug amortisiert! Hinzu kommt eine Wertsteigerung des Hauses.

Die Dämmplatten müssen ausreichend druckstabil sein

Übrigens: XPS-Dämmplatten (Wärmeleitzahl ab 0,032 W/mK, Glasschaumschotter ab 0,040 W/mK) sind feuchteunempfindlich und ausreichend druckstabil. Man muss keine Setzungen des Gebäudes befürchten. Achtung: Wegen der hohen Anforderungen, die an eine Bodenplattendämmung gestellt werden, kommen überwiegend XPS-Dämmplatten zum Einsatz. An zweiter Position steht Glasschaumschotter. Diese beiden Materialen gehören zu den wenigen Dämmstoffen, die für diesen anspruchsvollen Einsatzbereich überhaupt eine entsprechende Zulassung haben.

 

 

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