Hamburg kürt seine schönsten Gründächer

Hamburger Gründachstrategie nimmt Fahrt auf.

Privatdachgarten_(c)-ZinCo-GmbH

Foto: (c)-ZinCo-GmbH

In Hamburg sind bereits 1,35 Millionen Quadratmeter flache und flach geneigte Dachfläche begrünt. Insgesamt rund 27 Millionen Quadratmeter könnten potentiell begrünt werden. Da geht noch was, denken sich sicherlich nicht nur die Verantwortlichen. Neben einem möglichen Zuschuss von der Stadt soll ein Wettbewerb mit bereits umgesetzten Gründach-Projekten die Hamburger inspirieren und beflügeln.

Warum ein Gründach bei der Planung zukünftiger Um- und Neubauvorhaben nicht fehlen sollte, zeigt jedes der insgesamt 36 eingereichten Projekte auf seine Weise. Darunter private Gründach-Oasen, gemeinschaftlich genutzte Dachgärten im Stadtzentrum oder die Begrünung von Sporthallen. Der größte Anteil der eingereichten Dachbegrünungen wurde in den letzten 5 Jahren angelegt. Dass das Thema Gründach allerdings auch Tradition hat, zeigen die vier über 40 Jahre alten Objekte. Eins haben alle Projekte gemeinsam. Sie sind nicht nur Dächer sondern stiften gleich vielfachen Nutzen. Auf sonst ungenutzten Flächen entstanden Lebensräume für Pflanzen, Vögel, Insekten und Menschen, die das soziale Wohnumfeld genauso bereichern, wie Stadtklima und Raumklima im Gebäude selbst.

Gründach als Demenzgarten

Preisträger Wohnen Gemeinschaftlich Seniorenheim_KerVita_Foto_Tast_002Die intensive Dachbegrünung des viergeschossigen KerVita Senioren-Zentrums ‚Am Inselpark‘ bietet den Bewohnern einen geschützten und gut nutzbaren Freiraum mitten in der Stadt. Auf der 410 m² großen Dachfläche entstand ein bisher einmaliger Demenzgarten der die Sinne der pflegebedürftigen Bewohner bewusst fördert.  Die vielfältige Bepflanzung lässt dabei Platz für Aufenthaltsnischen. Das Dach wird so zum Treffpunkt und zum Rückzugsort zugleich. Wer Hand anlegen will, kann in den angelegten Hochbeeten losgärtnern, säen, jäten und ernten.

Wenn Gründächer zusammenwachsen

Wie es aussehen könnte, wenn Dachgarten an Dachgarten liegt, zeigt ein circa 300 m² großes Ensemble aus einzelnen und verschiedenen Dachgärten in Hamburg-Ottensen. Die sogenannte „Dachlounge“ steht dabei ihrem Namen in nichts nach. Hier wurden Flachdächer vor den Staffelgeschossen teils intensiv, teils extensiv begrünt. Für jeden Bewohner entstand so der passende Dachgarten, hier ein wilder Wiesenflur, dort ein intensiv gepflegter Terrassengarten mit Rasenfläche, in Summe eine unvergleichliche Dachlandschaft. Wohnraum mit Blick ins Grüne, mehr Lebensqualität und Artenvielfalt – und das nicht auf dem Land sondern direkt in einem hochverdichteten Hamburger Stadtquartier.

„Cooles“ Gründach auf der Sporthalle

Gründach auf Hamburger Sparthalle

Dreifeldsporthalle
Foto: Behörde für Umwelt und Energie Hamburg

Auch vor den Schulen in Hamburg macht die Gründachstrategie nicht halt. Und das ist auch gut so. Öffentliche Gebäude verfügen über große Dachflächen, die geradezu darauf warten, begrünt zu werden. Das knapp 2.000 m² große Dach der Sporthalle in Eppendorf erhielt für seine extensive Dachbegrünung einen Sonderpreis im Wettbewerb. Den gab es nicht nur, weil das Gründach durch die terrassierte Bauweise von den Umkleiden aus für Schüler und Sporttreibende sichtbar ist. Die sonst komplett versiegelte Fläche hilft nun dabei, Feinstaub zu filtern, Regenwasser zurückzuhalten, nach und nach zu verdunsten und so das Stadtklima im Sommer herunterzukühlen.

Gründächer kühlen im Sommer Gebäude und Stadtklima

Denn eine Dachbegrünung macht auf Schul- und Sportstätten vor allem auch durch den Kühlungseffekt Sinn. Die Dachbegrünung und deren Substrataufbau in Kombination mit einer Flachdachdämmung verhindern das Aufheizen im Sommer und Heizwärmeverluste im Winter. Somit muss viel weniger Energie zum Kühlen und Heizen der Sporthalle aufgebracht werden. Eine immense Kosteneinsparung aufgrund der kleineren Dimensionierung der Gebäudetechnik und vor allem durch Einsparung bei den laufenden Energiekosten.

Bild: HavenCity Universität Hamburg - Zamna A. Rodríguez Castillejos

Bild: HavenCity Universität Hamburg – Zamna A. Rodríguez Castillejos

In ihrer aktuellen Studie (http://www.hamburg.de/gruendach/6770544/gruendach-waermebild/) macht die HafenCity Universität die Kühlwirkung anhand von Wärmebildaufnahmen direkt sichtbar. Die Infrarotaufnahmen vom Gründach der Behörde für Umwelt und Energie und von benachbarten, nicht begrünten Flachdächern an einem warmen Sommertag zeigen eindeutig, dass das Gründach kühler ist – und zwar um rund 30 Grad!

Mehr Infos zum Wettbewerb und zu allen Projekten:

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