Negativ-Schlagzeilen über Wärmedämmung verunsichern

Foto: Bernd Kasper - pixelio.de

Foto: Bernd Kasper – pixelio.de

Welcher Dämmstoff ist der Richtige? Und schließlich: Sollte man überhaupt noch dämmen? Unsere Gastautorin nimmt den vermeintlichen Dämmzwang, die Einsetzbarkeit von Dämmstoffen und den Brandschutz einmal genauer unter die Lupe.

Gastbeitrag von Serena Klein

Um hier Antworten zu finden, ist es wichtig, sich Fakten anzuschauen: Wärmedämmung unterliegt einem physikalischen Prinzip. Sie reduziert den Wärmedurchgang durch ein Bauteil wie die Wand auf ein Minimum und gehört daher heute zum energieeffizienten Bauen dazu. Grundsätzlich ist unumstritten: Um den Energiebedarf eines Hauses signifikant zu senken und in keine überdimensionierte teure Heizungsanlage investieren zu müssen, muss das Haus fachgerecht gedämmt werden. Außer man heizt sein Geld gern zum Fenster heraus.

Einen Dämmzwang aber, wie es in den Medien gern fälschlicherweise berichtet wird, gibt es nicht.

Zwar schreibt die Energieeinsparverordnung (ENEV) von 2014 vor, dass Warmwasserleitungen und Dachböden gedämmt werden müssen, ansonsten aber bleibt die ENEV technologieoffen. Sprich, ein Bauherr kann seine Fassade dämmen – muss aber nicht. Die von der ENEV vorgeschriebenen Effizienzwerte können auch mit anderen Maßnahmen wie auch unterschiedlichen Dämmstoffen erreicht werden.

Naturdämmstoffe werden künftig immer stärker zur Anwendung kommen.

Das ist die gute Nachricht. Der Nachteil ist, sie sind in der Langzeiterfahrung nicht erprobt – etwa wie feuchteresistent und formstabil sie nach zehn Jahren noch sind. Und Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen enthalten Brandschutzmittel und Biozide; das Problem ist noch nicht gelöst – insbesondere das der Brennbarkeit. Zudem sind Ökodämmstoffe keine Alleskönner und nicht in allen Bereichen der Gebäudehülle einsetzbar.

Verschiedene Materialien für unterschiedliche Einsatzgebiete

Nicht alle Dämmmaterialien sind überall einsetzbar. Ober andersherum: Den einen Dämmstoff um ein Haus von der Bodenplatte bis zum Dach perfekt und lückenlos zu dämmen, gibt es nicht. Hier gilt es das optimale Material für Wand, Dach und Keller zu finden und die Vorteile der verschiedenen Dämmstoffe auszunutzen.  Mineralwolle beispielsweise eignet sich sehr gut für den Innenausbau und zur Fassadendämmung, auch wenn es generell etwas kostspieliger ist. Mineralwolle ist allerdings nicht geeignet, um unter der Bodenplatte verlegt oder bei Gründächern, Dachterrassen und Dachgärten eingesetzt zu werden. Für diese Bereiche haben Glas- oder Extruderschaum Zulassungen. Diese sind wiederum nicht im flächigen Fassadenbereich oder der Zwischensparrendämmung vom Dach zu finden.

Generell gilt: Sie finden in der Deklaration immer den Hinweis darauf, für welche Einsatzbereiche eine Normung oder eine baurechtliche Zulassung besteht.

Eine Bodenplatte oder ein Dachgarten kann nicht mit Naturdämmstoffen gedämmt werden. Hier wird ein Dämmstoff benötigt, der enormen Druck aushält, wasserresistent ist und sehr lang hält – wie Glasschaum oder XPS (Extruderschaum). Betrachtet man zum Beispiel XPS aus ökologischer Sicht, besteht ein Schaumstoff zu 98 Prozent aus Luft, nur 2 Prozent macht der Erdöl-Anteil aus. Bei sehr geringem Materialeinsatz unterstützt der Dämmstoff ein hauslebenlang die Energieeinsparung ohne Leistungsverluste. Daher kann das Material in der Ökobilanz mit alternativen Dämmstoffen mithalten. Informationen zur Ökobilanz von Dämmstoffen findet man in unabhängig erstellten Umweltproduktedeklarationen (EPD). Solch eine Deklaration umfasst eine systematische und umfassende Beschreibung zu CO2-Bilanz, Abfallträchtigkeit, Energie- oder Ressourceneinsatz. ibu-epd.com

Bei 0,0025 Prozent aller Hausbrände in Deutschland ist Dämmung involviert.

Kommen wir hier auch gleich zum heiß diskutierten Thema Brand, das „Herzstück“ der Dämmkritiker. Wenn man sich vor Augen hält, dass statistisch gesehen nur bei 0,0025 Prozent aller rund 200.000 jährlichen Brände in Deutschland – jeder freilich einer zu viel – Dämmung überhaupt eine Rolle spielt, drängt sich der Eindruck auf, das Thema ist ein auflagenkalkulierendes Mediengeschäft mit der Angst. Auch gibt es immer die Möglichkeit, seine Fassade mit nicht brennbaren Dämmmaterialien wie Mineralwolle auszustatten.

Richtig ausgeführte Dämmarbeiten erwirken einen klaren Komfortgewinn was das Wohnen betrifft und eine Wertsteigerung, was die Immobilie angeht.

Wie die richtige Dämmung die Grundlage für nachhaltigen Klimaschutz schafft, zeigt das Gründach. Dachbegrünungen liegen im Trend und sind teilweise bereits Standard bei öffentlichen Gebäuden: Zahlreiche Kommunen und die KfW fördern Dachbegrünungen mit speziellen Programmen, denn die grünen Inseln sind Ruheoasen und oftmals wertvolle Ökotope zugleich. Eine Dämmung beim Gründach muss garantieren, dass sie Feuchte aushält, was den Einsatz von Naturdämmstoffen nahezu ausschließt. Insbesondere beim als Umkehrdach angelegten Gründächern schützt die Dämmung die darunter liegende, sensiblen Dachhaut  – so verlängert man die Lebensdauer des Daches um das Doppelte, was enorme Kosten spart und zudem umweltfreundlich ist.

Wer bei allem Für und Wider dennoch unsicher ist, kann einen Energieberater beauftragen.

Welche Dämmmassnahme für das eigene Haus sinnvoll ist, kann ein Energieberater empfehlen. Wichtig ist hierbei, einen geschulten und unabhängigen Experten zu finden. Für die Beratung wird sogar ein staatlicher Zuschuss gewährt, bei Ein- bis Zweifamilienhäusern bis zu 800 Euro. Die Beauftragung ist ein Kinderspiel: Denn die meisten Energieberater stellen hierfür gleich selbst den Antrag. Und auch für eine fachgerechte Ausführung ist der Expertenrat und das Auge eines Energieberaters bares Geld wert.

www.energie-effizienz-experten.de

Merken

Ein Kommentar zu “Negativ-Schlagzeilen über Wärmedämmung verunsichern

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>