Der Spiegel zeigt die „Bürokratie-Posse“ bei der Dämmstoffentsorgung auf

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Foto: © Rudolpho Duba – pixelio.de

„Die Sanierung von Fassaden ist in Deutschland vielerorts zum Erliegen gekommen. Schuld daran ist eine Vorschrift für altes Dämmmaterial aus Styropor“ so Gerald Traufetter im Spiegel.

Zum 1. Oktober 2016 wurde das Flammschutzmittel HBCD, das in vielen alten Polystyrol-Dämmstoffen enthalten ist, zusätzlich als „gefährlicher Abfall“ deklariert. Die formale Umsetzung einer EU-Richtlinie durch den Deutschen Bundesrat sorgt für große Verunsicherung, Unmut und Preispoker. „Wie eine Öko-Verordnung die Sanierung von Häusern lahmlegte“ titelt der Spiegel.

Was das in der Realität bedeutet, zeigt der Spiegel ebenfalls auf:

Dachdeckermeister Weihsweiler hat einen eigentlich lukrativen Auftrag in Aussicht. Er soll das Dach eines Mietshauses in Stand setzen, was auf Grund von langwierigen Abstimmungen innerhalb der Eigentümergemeinschaft auch dringend nötig ist.  Doch weder er noch seine Mitbewerber trauen sich, diesen Auftrag anzunehmen. Denn die unter der Dachpappe lauernde Dämmung möchte derzeit niemand haben … „die Müllverbrennungsanlage will 3.000 Euro pro Tonne … insgesamt 90.000 Euro Entsorgungskosten – bei einem Auftragswert von 130.000 Euro ist diese Summe – einfach absurd, findet nicht nur der Dachdecker.”

Eine Posse auf Kosten der Energieeffizienz!

Das Bundeskabinett hat mittlerweile dem Bundesratsbeschluss für ein einjähriges Moratorium bei der Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmplatten zugestimmt. Ein Jahr lang gelten nun die gleichen Entsorgungsregeln wie bisher. Wir berichteten in unserem Beitrag: Bundeskabinett erleichtert Dämmstoff-Entsorgung – Hendricks: Abfallwirtschaft soll übertriebene Preisaufschläge zurücknehmen.

Wir sind erstaunt darüber wie politisches Handwerk manchmal funktioniert. Aus reinen parteitaktischen und ideologischen Gründen wird eine Regelung durchgesetzt, die umweltpolitisch nichts ändert oder verbessert, aber in der Lage ist, auf einen Schlag Arbeitsplätze Tausender zu gefährden und das Erreichen der Klimaziele zu torpedieren.

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller dazu: „HBCD ist ein Stoff, der die Umwelt schädigen kann, wenn er nicht ordnungsgemäß beseitigt wird”. Dabei wurde – wie zum Beispiel XPS schon immer thermisch entsorgt und so zur Energiegewinnung genutzt, wobei das HBCD nachweislich völlig rückstandsfrei zerstört wird. Es bedurfte also gar keiner Neuregelung, die zu einem massenhaften Baustopp geführt hat. Manchmal bekommt man fast den Eindruck, dass man sich mit Dämmstoffbashing in den hinteren Reihen einen Namen machen will – und sich dabei kenntnislos oder wissentlich Mythen bedient.

Zum Spiegel-Beitrag:
Bürokratie-Posse – Wie eine Öko-Verordnung die Sanierung von Häusern lahmlegte

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Ein Kommentar zu “Der Spiegel zeigt die „Bürokratie-Posse“ bei der Dämmstoffentsorgung auf

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